Blog-Artikel mit dem Tag „Thora“

    Hallo Thora,


    anbei sende ich dir wie vereinbart dein Arbeitszeugnis. Ich wünsche dir für dein weites Berufsleben viel Erfolg.


    Mit freundlichen Grüßen

    S. Nguyen

    Personalabteilung


    Irgendetwas an dem Satz kam Thora komisch vor, aber Deutsch war nicht ihre Muttersprache, daher schenkte sie dem Gefühl keine weitere Beachtung. Das änderte sich schlagartig, als sie wenige Tage später einen Brief überreicht bekam.

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    Konferenzraum A37

    „Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass sowohl der stark erhöhte Sauerstoffgehalt in Labor C-27 als auch die Entzündung desselbigen bewusst herbei geführt wurden. Aufgrund einer umfassenden Untersuchung der finanziellen und persönlichen Verhältnisse von Dr. Kurz kann eine Beeinflussung durch Dritte ausgeschlossen werden. Es bleibt nur der Schluss, dass es sich um einen Akt der Selbsttötung handelt.“


    Mit ausdrucksloser Stimme fuhr der interne Ermittler fort: „Sie waren die zuständige Psychologin. Sie hätten das erkennen müssen. Immerhin beschreiben Sie selbst Dr. Kurz in Ihren Unterlagen als – ich zitiere – ‚introvertiert und labil’. Wie erklären Sie Ihr Versagen?“


    Thora schluckte ihren Ärger herunter.


    „Das ist richtig“, erwiderte sie, „ebenso wie ein Dutzend weitere Mitarbeiter der Forschungsstation. Bei der Einschätzung handelt es sich nicht um eine Beschreibung eines akuten geistigen Zustandes. Es geht um das Gleichgewicht unterschiedlicher

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    Pavonis Mons, Mars, EU-Sektor II


    Er verpasst schon wieder seinen Termin.


    Frustriert starrte Thora auf die Zeitanzeige ihres Bildschirms.


    Pflichtbewusst schrieb sie ihre Meldung, obwohl sie wusste, dass sie wie zuvor kein Gehör finden würde. Es war simple ökonomische Logik: Die Labors verschlangen Unsummen an Forschungsgeldern, also hatte alles Vorrang, was wirtschaftlichen Erfolg versprach. Seine Forschung war vielversprechend und würde dem Konzern vermutlich schon bald viel Geld einbringen; ihre Arbeit war nur eine gesetzliche Vorgabe, die es zu erfüllen galt. Sie ahnte, dass er sie mied, aber solange seine anderen Werte unauffällig waren, würde man ihr zu verstehen geben, dass es für alle Beteiligten das Beste sei, wenn sie den Ball flach hielte. Wieder mal.


    Nein, entschied sie. Nicht dieses Mal. Energisch sprang sie auf – sie würde ihn zur Rede stellen. Jetzt.


    * * *


    Sie dachte zurück an die Zeit, als sie sich dafür entschieden hatte, den Vertrag mit Bayer Monsanto zu

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