Blog-Artikel mit dem Tag „Dr. Sophie Wolkow“

    Die Besprechung war vorüber, die letzten Taschen verstaut und die Fahrt würde gleich losgehen. Etwas verstohlen griff Sophie nach der Hand des Soldaten, drückte sie kurz, lächelte ihn kurz verstohlen an. Als sie seine Finger loslassen wollte, drückte er sie noch einmal sanft, sie musste noch mehr lächeln und lief schnell zum Bus.

    Die zivilen Mitarbeiter stiegen zuerst ein, die Russin sah sich kurz um. Da wäre ein Platz neben Herrn Klug. Sie mochte den Tschechen, schätzte seinen intelligenten Humor und seine ruhige Art. Allerdings war ihr gerade nicht nach einem tiefsinnigen Gespräch über die russische oder tschechische Lebensphilosophie, und irgendwie endeten ihre Gespräche - vor allem wenn man dafür eine ganze Busfahrt hatte - gerne mal dort. Nein, lieber etwas Ruhe. Ohne es selbst zu merken, steuerte sie den hinteren Teil des Bus an. Suzanne saß dort, wirkte in Gedanken. Kurzentschlossen ließ sie sich neben der Französin nieder, lächelte erneut und begann dann nach ihren

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    Дорогая моя Костя,


    auch wenn dein Brief mich erst vor wenigen Tagen erreicht hat, weiß ich, dass meine Antwort dich nie erreichen wird. Sie hätte es in den letzten 1,5 Jahren schon nicht. Auch wenn ich es kaum sagen, kaum denken mag, kann ich es fühlen.

    Du bist tot.

    Unwiderruflich. Ich wusste damals, dass die Regierung log, ich wusste damals nicht, was dir wirklich passiert ist. Aber das du von mir gerissen wurdest, habe ich gespürt. Ich habe es so erdrückend schrecklich gewusst, dass es mir das Herz, den Hals, den Magen, verschnürt hat. Ich habe nicht atmen können. Wochen nicht. Monate nicht. Es hat ein Jahr gedauert, bis ich endlich Luft geholt gehabe. Jetzt habe ich deine Zeilen in den Fingern, deine Marken liegen neben mir, wenn ich schlafe. Deine Zeilen haben mir zwei bittersüße Erkenntnisse gebracht. Zum einen, dass ich niemals aufhören werde dich zu lieben... und es niemals aufhören wird, weh zu tun, dass sie dich mir genommen haben. Zum anderen, dass ich mich damit

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    Sophie nickte dem Bankangestellten etwas angestrengt zu, dieser lächelte und ließ sie dann in dem Raum alleine. Mit einer zögerlichen Bewegung zog sie den Schlüssel aus der Hosentasche, öffnete das Schließfach. Wobei Schließfach ein Euphemismus war, es war mehr ein mittelgroßer Schrank. Mit einem leisen Klacken reagierte der Mechanismus und die Tür schwang auf.

    Die Russin atmete durch. Was ein Anblick. Fein säuberlich gestapelt lagen die Geldscheine dort. Von 5ern bis 100ern war alles dabei, sorgsam sortiert und in kleine Packen getrennt. Fast ein wenig ungläubig vor sie mit den Fingern über einen Packen Hunderter. So viel Bargeld hatte sie noch nie auf einem Haufen gesehen. Sicher, auf ihrem Konto schlummerte ein Vermögen, aber es war doch etwas anderes 250.000 in bar vor sich liegen zu haben. Trocken schluckte sie herunter, fühlte sich irgendwie schmutzig als sie einige Scheine aus dem Päckchen zog und einsteckte. Sie sollte kein schlechtes Gewissen haben, das wusste sie.

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    Das schmale Reihenhaus befand sich in der Innenstadt. Das Haus war nicht sehr groß, für zwei Personen wohl angenehm, für drei schon etwas eng. Es war Januar, das Wetter halbwegs erträglich. Sophie Wokow stand in dem kleinen Gästezimmer und machte gerade ihr Bett. Sicher hätte diese Aufgabe auch ein Replikant übernehmen können, doch ihr war die Beschäftigung nur recht.


    Vor dem Haus fuhr eine schwarze Limousine vor, die ihre gewollte Unauffälligkeit herausbrüllte. Der Wagen hielt und wenige Sekunden später stieg eine Frau heraus, die mittelalt, mittelgroß, mittelblond und mittelmäßig attraktiv war. Sie trug ein graues, sehr strenges Businesskostüm und langte nach einer Aktentasche, bevor sie sich auf den Weg zu Tür machte. Ein weiterer Mann im grauen Anzug und mittelbraunem Haar schloss die Tür des Wagens und folgte der Dame.


    Als es an der Tür klingelte zuckte Sophie zusammen. Wer war das? Die Lebensmittel waren für diese Woche schon gekommen und bestellt hatte sie nichts.

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