Blog-Artikel von Golli

    I don't want to talk

    About the things we've gone through

    Though it's hurting me

    Now it's history

    I've played all my cards

    And that's what you've done too

    Nothing more to say

    No more ace to play


    5. Dezember 2118, Deutschland


    Vincent,

    ich schreibe Dir nicht, um bereits Gesagtes erneut zu schreiben. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob Dich dieser Brief überhaupt erreichen wird. Ich nehme an, dass Du aktuell wahlweise weit fort bist oder rechtzeitig dafür Sorge getragen wurde, dass Du keine Möglichkeit hast weit fort zu sein. Außer natürlich Deine vermeintlichen Freunde, die Du nun sehr wahrscheinlich auch gegen Dich aufgehetzt hast, haben Dir einen sicheren Unterschlupf gewährt und versuchen sich darum zu kümmern, dass die Anschuldigungen gegen Dich - und gegen sie - fallen gelassen werden. Ich kann Dir nur sagen, dass Dein Brief mich sehr zu meiner Verwunderung erreicht hat und alle nötigen Schritte von meiner Seite eingeleitet worden sind. Mit Dir

    Weiterlesen

    Je veux d'l'amour, d'la joie, de la bonne humeur
    Ce n'est pas votre argent qui f'ra mon bonheur
    Moi, j'veux crever la main sur le cœur.



    4. Dezember 2118, Erndtebrück, Deutschland


    Um sie herum herrschte hektisch-geschäftiges Treiben während Suzanne für den Moment nichts weiter übrig blieb als abzuwarten in den Transportbus einzusteigen, der für sie bereit gestellt worden war. Ihr Blick glitt kurz über die Menschen und Replikanten, welche wie die Zahnräder eines Uhrwerks ineinander griffen, um in beeindruckender Zeit den Standort vollständig zu räumen. So ernst die Situation auch war, war genau dies ein Anblick, der ihr in den letzten Tagen immer und immer wieder einen Funken Hoffnung eingepflanzt hatte. Das Gefühl einer sich entwickelnden zweiten Heimat. So ungewohnt dieses Gefühl für sie auch war was diese Zusammenstellung an Personen betraf sowie die Situation. Krieg. Nun war also Krieg. Wer von ihnen würde diesen überleben? Eine Frage, die sie sich seit langem stellte.

    Weiterlesen

    Passent les jours et les combats
    Combien d'étés reste-t-il ici bas


    "Aktuelle Abendnachrichten an," teilte Suzanne dem SmartHome System befehlend mit während sie ihre Füße auf dem Sofa ausstreckte und den ersten genüsslichen Schluck des perfekt gekühlten Weißweins zu sich nahm. Sie war bereits bei Schluck drei als dieser ihr in der Kehle stecken blieb und sie laut hustend auf den Fernsehbildschirm starrte.


    Dr. de Montpellier verdächtigt.


    Zwischen dem Husten wies sie das SmartHome System an zu pausieren. Die weiteren abklingenden Huster schaute ihr ihr wie stets lächelnder Ex-Mann eingefroren auf einem Foto vom Bildschirm entgegen, unterlegt mit der Überblendung von einem Arrangement von freundlich-bunten Tabletten eines Stockfotos.


    Es brauchte einige Herzschläge und den restlichen Inhalts ihres Glases bevor sie die Nachrichten fortsetzen ließ. Den Blick starr auf den Bildschirm gerichtet, die Finger krampfhaft um den Stil des Weinglases geschlungen.


    Die Nachrichten waren bereits

    Weiterlesen

    I say that nothing can frighten me.
    I say, alas, that I respond to myself;
    But I play the part of the courageous one in vain...




    "Salut, maman."

    "Ah, Suzanne. Schön, dass Du Dich meldest. Ich sehe, Du bist wieder daheim. Wie war's in Berlin?"

    Suzanne lächelte ihre Mutter an während sie selbst es sich auf ihrem Sofa mit einem Glas Wein gemütlich machte. Auch wenn es bereits spät am Abend war sah ihre Mutter wie stets aus als käme sie gerade aus dem Bad und hätte sich frisch gemacht, die Kleidung sowie das Make-Up saßen tadellos.

    "Sehr schön. Es war mal wieder gut aus Paris rauszukommen." Suzanne versuchte sich an dem nichtssagendsten Lächeln, dessen sie fähig war.

    "Das ist schön zu hören, Spätzchen."

    "Wo ist Papa?"

    "Der ist in der Klinik. Was erwartest Du?" Ihre Mutter schmunzelte und Suzanne schmunzelte mit. Auch wenn ihr Vater theoretisch pensioniert war hielt ihn das als renommierten Gefäßchirurgen nicht davon ab täglich in die Klinik zu fahren und den jüngeren Kollegen

    Weiterlesen

    Ah!... Laßt uns genießen ... die Gläser,

    Die Gläser und der Gesang,

    Und Lachen verschönere die Nacht.

    Hier an diesem glücklich-heiteren Ort

    Soll der neue Tag uns finden.



    Paris, 15. Juli 2118, 20:05


    Irgendetwas ließ Suzanne aufschrecken. Merde, sie hatte sich doch nur einmal kurz auf ihr Bett gesetzt, nachdem sie alles Gepäck zurück in ihre Wohnung geschafft hatte und war offensichtlich direkt eingeschlafen. Stöhnend rappelte sie sich mit schmerzenden Gliedern auf als sie erneut zusammen zuckte. Dieses Mal realisierte sie, dass es der Türsummer war. Es dauerte nur eine Sekunde bevor die spontane Ausschnüttung von Adrenalin die bleiernde Müdigkeit in ihrem Körper gewaltsam übertünchte und ihr Herz hart und schnell anfing zu schlagen.

    "Putain de merde..." fluchte sie als sie sich in den Stand begab und ihre Muskeln rebellierten und mit Anspannung in den Gliedern zur Tür ging. Wer zur Hölle kam an einem Sonntag um diese Uhrzeit zu ihr? Die Worte des Mittags hallten ihr noch durch

    Weiterlesen

    Liebe ist wie ein wilder Vogel

    Wer den will zähmen

    Hat es schwer

    Ganz umsonst wirst du nach ihm rufen

    Wenn er nicht will

    Kommt er nicht her.



    Paris, Mitte Juni 2118


    Nachdem der letzte Patient gegangen war, nahm Suzanne die wenigen Schritte über den Flur zu der Tür des anderen Behandlungszimmers. Es hatte einige Tage gedauert, bis Vincent selbst die Praxis mal wieder mit seiner Anwesenheit beehrte und selbst heute war er nur am Nachmittag für wenige Stunden anwesend. Sie war sich jedoch bewusst, dass alle Patienten, die heute seinen Behandlungsraum verlassen haben, sehr zufrieden mit der Aufmerksamkeit waren, die er ihnen geschenkt hatte, und seine Diagnostik wie stets perfekt gewesen war. Unabhängig davon was zwischen ihnen war, Suzanne musste eingestehen, dass Vincent auch heute noch einer der besten Ärzte war, die sie kannte, welcher nicht nur das Handwerk eines Mediziners verstand, sondern auch wusste wie er zwischenmenschlich den Patienten das geben konnte, was sie

    Weiterlesen

    Niemand schlafe! Niemand schlafe!
    Auch du, Prinzessin,
    in deinem kalten Zimmer
    siehst die Sterne, die beben
    vor Liebe und Hoffnung!

    Paris, Anfang Juni 2118


    "Ah, Madame de Montpellier!"

    Suzanne hielt sich davon ab ihr Gesicht zu verziehen und auf ihren Titel in der Anrede zu bestehen, anstatt dessen blieb das unaufdringliche neutrale Lächeln einer Ärztin auf ihren Lippen.

    "Monsieur Martin, einen guten Morgen." Suzanne nahm wieder Platz und öffnete die Krankenakte von dem Funktionärs der EU auf ihrem Pad, welcher ihr gegenüber Platz nahm mit seinem üblichen selbstsicheren Grinsen. Trotz der hohen Qualität und obwohl sein Anzug mit Sicherheit maßgeschneidert war, wölbte sich sein Wohlstandsbauch über den Hosenbund.

    "Wo ist denn, Monsieur le docteur?"

    Monsieur le docteur war in diesem Fall ihr Ex-Mann und für ihn hatte Monsieur Martin anscheinend ausreichend Respekt übrig, um ihn als Doktor anzuerkennen. Wahrscheinlich hatte Vincent ihn ausreichend oft im Golf geschlagen, um sich die

    Weiterlesen