Trava u doma

Ich strecke mich etwas, seufze zufrieden und rutsche mit dem Oberkörper etwas zur Seite, sodass mich die Sonne, die durch den Rollladen fällt, nicht weiter blendet. Mein Blick fällt durch die Wohnung, in der ich in den letzten Monaten vermutlich viel zu oft war. Ich hätte mir vermutlich längst eine Zahnbürste hier deponieren sollen – aber das würde wohl die ungeschriebenen Gesetze brechen, die wir aufgestellt haben. Ich strecke mich, setze mich auf und angle nach dem Shirt von ihm, dass ich hier immer trage. Irgendwie hat sich das eingebürgert. Genau wie die keine-Zahnbürste-Regel. Mit einer Hand greife ich mein Handy und stelle die Spotifyliste auf shuffle. Priklyucheniya Elektronikov ertönt. Ich schmunzle. Wie prophetisch.


( https://open.spotify.com/track…si=PvIR7UjJSgyke4tKZYiZPw )


Noch ein Griff und ich habe die Zahnbürste aus meiner Handtasche befreit, wandere ins Bad und sehe mich im Spiegel an. Ich würde es wohl nicht gerne zugeben, aber das hier tut mir gut. Ich bin etwas braun geworden von dem Kurztrip in mein Geburtsland und auch das hat mir gut getan. Während ich Zähne putze, zupfe ich mit der linken Hand durch meine Frisur. Ich sollte vielleicht auch eine Haarbürste in meine Handtasche tun, am Ende des Abends bleibe ich ja doch meistens. Aber im Grunde ist es jetzt egal. Wir haben nur noch ein paar wenige Tage, dann geht es wieder auf nach Deutschland – und das hier hat ein Ende. Es würde sowieso nicht klappen. Ich wiege mich leicht im Takt, putze weiter Zähne und streife etwas durch die Wohnung, betrachte die wenigen Familienbilder. Ich mag die Wohnung. Sicher, sie schreit förmlich Junggeselle, aber schön ist sie trotzdem. Klar strukturiert, die Möbel hochwertig und gut gemacht. Eine schöne Mischung aus modern und klassisch. Nachdenklich trete ich ans Küchenfenster – ohne es zu merken habe ich mich so gestellt, dass der Vorhang mich möglichst verdeckt und sehe auf die Straße. Er ist noch nicht zu sehen – aber es muss auch ein kleines Stück laufen um zum Bäcker zu kommen. Vermutlich könnte ich noch duschen. Oder ich warte damit bis nach dem Frühstück und nehme ihn mit. Ein Schmunzeln. Nach dem Frühstück also. Mit kleinen Schritten geht es wieder ins Bad, ich spucke den Schaum aus, spüle und lasse die verbotene Zahnbürste in meiner Handtasche verschwinden, während die Band weiter vom grünen Gras singt, das irgendwo im Weltraum hoffentlich auf uns wartet.